Aquarelle

„Der Aquarellmeister versucht, im konzentrierten, einer Meditation vergleichbaren Arbeitsprozess durch einander gezielt und vielfach überlappende transparente Farbflecken Verdichtungen zu erzeugen, die einem Inbild oder einer Empfindung, einer konkreten Vorstellung, der Verschränkung von Gegenstand und Raum in einer charakteristischen Stimmung auf der Fläche entsprechen. Das im Papier versinkende Wasser hinterlässt die vorher in ihm frei schwebenden feinen Pigmente der Aquarellfarbe auf der Oberfläche: gelingt die rasche und entschiedene Formsetzung, erhalten diese Spuren Dauer. Die Klarheit der Flüssigkeit wird sinnvoll vom überallher durchschimmernden Weiß des Grundes ersetzt – das Papier übernimmt gleichsam die lebensspendende Funktion des Wassers.“ (Gerhard Gutruf 1989, verwendet als Vorwort zum Katalog Gerhard Ausborn, Wasserfarben, Hamburg 1992)