Ölbilder

"Aus der Ferne ist Gutruf ein Romantiker, der mit idealtypischen Formen das Reich einer ausgewogenen Schönheit sucht. Das bildnerische Material existiert auf verschiedenen Höhenstufen der Abstraktion, von der Unmittelbarkeit einer Fläche bis zur Darstellung von Sachinhalten, die entweder der Wirklichkeit entnommen oder sich aus der Konstruktion geometrischer Elemente ergeben haben. Bei genauerer Betrachtung der ursprünglich flächigen Substanz ergibt sich ein Bild hoher Subjektivität, nicht nur in der malerischen Behandlung der kompositorischen Elemente sondern auch in der Stufung der räumlichen Tiefe. Gutruf verbindet das illusionistische Bildgeschehen mit meist einfachen Sachinhalten, Vasen, Schachteln und Tischen, so daß sich die beherrschte Stille der abstrakten Konstruktion im stillen Wesen eines vorgestellten Objektes wieder findet. Gutrufs Liebe für Vermeer deutet auf seine Sehnsucht, in der Malerei nicht nur ein Ideal, sondern auch ein Geheimnis zu finden, das sich sowohl in der komplexen Verteilung der Elemente auf der Fläche wie im vorgestellten Sachinhalt verbirgt, der oft nichts anderes ist als ein Kubus mit Schatten.
Die Staffelung des Raumes, von der unmittelbaren Existenz einer abstrakten Form bis zur Erzeugung eines illusionistischen Realitätsbereiches, ist besonders erfolgreich in Gutrufs jüngsten Rahmenbildern, in denen das Auge sukzessive von der Subtilität einer malerisch behandelten Umrahmungsfläche in einen inneren Vorstellungsraum eingeführt wird, oft in das Dunkel einer geöffneten Schachtel oder in die Tiefe eines schwarzen Wassers. ... Es ist kein Zufall, dass sich das Werk Gerhard Gutrufs in einer Zeit bemerkbar macht, da sich die Malerei einen noch nie dagewesenen Pluralismus von Stilen auf verschiedenen Höhenlagen der Abstraktion erlaubt, von der photorealistischen Wiedergabe der Wirklichkeit bis in die Ornamentik der formalistischen Abstraktion.
Die konstruktivistische Richtung der Malerei ist am Ende des klassischen Modernismus. In den späten siebziger Jahren, mit monochromen, unartikulierten oder leeren Flächen an der Grenze eines künstlerischen Ausdrucks angelangt. Heute muß die Malerei das abstrakte Vokabular der klassischen Moderne mit einer erneuten Konzentration auf Inhalte bereichern. Und deshalb liegen Gutrufs Werke oben. " (Paul Rotterdam, New York 1998)

Die zuletzt entstandenen Arbeiten auch die mit Mussini-Kunstharzfarben auf Papier gemalten sind Beispiele der Schachtel-Bilder-Folge, in denen die Bedeutung des Gegenstands auf ein Minimum zurückgenommen wurde, um die kompositorischen Aspekte zu verdeutlichen sowie den eigenständigen Reiz der Flächen zu betonen.

Ende Juli 2014 wurde die dritte (und voraussichtlich letzte) meiner der Malkunst Vermeers gewidmeten Variationen fertiggestellt: ... mehr